Grafik: Stammer Kinetics

Bewegungsabläufe sehen lernen -

die Schulung des Auges

Um Bewegungsabläufe zu beurteilen, bedarf es eines geschulten Auges. Selbst Richter tun sich mitunter schwer, genau zu erkennen ob ein Bewegungsablauf korrekt ist. Das menschliche Auge gewöhnt sich sehr schnell an das was es täglich sieht. Sehe ich ständig nicht korrekte Abläufe, kommen sie mir ganz normal vor. Ich brauche also Vergleiche um mein Auge zu trainieren.

Je mehr unterschiedliche Pferde in unterschiedlichen Situationen man beobachten kann und dann mit einer kompetenten Person diese beleuchtet, desto schneller und sicherer wird man in der Beurteilung.

Beispiele im Schritt:

Der Schritt ist eine Bewegung im Viertakt und bei der Beurteilung müssen die natürliche Schrittveranlagung, Takt, Losgelassenheit und Anlehnung berücksichtigt werden. Ebenso haben wir noch die Kriterien Raumgriff und Fleiß.

 

Hier ist zu sehen, dass das Pferd zwar an das Gebiss heranzieht und der Oberhals aktiv ist, jedoch rollt er sich etwas ein und tritt mit dem Hinterbein nicht genügend nach vorne.

 

In diesem Moment ist das Pferd nicht genügend in der Anlehnung und der positive Spannungsbogen ist nicht mehr vorhanden. Die Genickkontrolle ist verloren gegangen, jedoch ist die Losgelassenheit voll vorhanden.

Hier drückt das Pferd nach vorne unten auf den Zügel und trägt sich nicht mehr gut. Das Becken ist nicht ganz angedreht. Die Rumpfträger sind jedoch aktiv und die Losgelassenheit vorhanden.

Bei diesem Foto kann man ein raumgreifendes Schreiten über den Rücken sehen, das Pferd auf Zug am Gebiss, taktrein und losgelassen. Die optimale Rückenbrücke im Schritt ist erreicht.

 

Beispiele im Trab:

Ein klarer Zweitakt und eine deutlich erkennbare Schwungentfaltung mit einem Moment der freien Schwebe sind die Kriterien des Trabes. Abhängig vom Gangmaß wird der Raumgriff beurteilt. Besonders das losgelassene Schwingen im Rücken und das Herantreten ans Gebiss unterscheidet den Rückengänger vom Schenkelgänger.

 Lösungsphase im Trab über unebenen Boden.

Das Pferd lässt den Hals beim Zügel-aus-der-Hand-kauen fallen, tritt jedoch noch nicht genügend an das Gebiss heran. Die Zügel hängen deswegen teilweise durch und der positive Spannungsbogen ist noch nicht ganz hergestellt. Takt und Losgelassenheit sind in Ordnung.

Hier ist die optimale Rückenbrücke im Trab mit einem positiven Spannungsbogen erreicht. Das Pferd tritt vertrauensvoll an das Gebiss heran, nimmt den Brustkorb nach oben und kann somit energisch hinten abfußen und weit Richtung Schwerpunkt vortreten. Eine deutliche Schwebephase ist bei klarem Takt erkennbar. Hiermit sind alle Kriterien für eine korrekte Dehnungshaltung erfüllt.

  Deutliche Längsbiegung im Trab.

Durch Reiten in Stellung und Schulterherein wird die Aktivität der Hinterhand erhöht, das Pferd mehr herangeschlossen und zu aktiverem Abfußen animiert.

 Schulterherein im Leichttraben.

Deutlches Heranschließen der Hinterhand bei vermehrtem Abfußen und geschlossenerem Rahmen.

 Dasselbe im Gelände.

Durch Übergänge vom Trab zum Schritt (halbe Paraden) wird das hintere Zahnrad (Stammer Kinetics) angedreht und das Pferd vermehrt über die Hinterhand gearbeitet.

                                                                                                                                                  Grafik: Stammer Kinetics

Auch hier sind nun in einem geschlosseneren Rahmen die Kriterien für einen korrekten Bewegungsablauf über den Rücken erfüllt. Vorderes und hineres Zahnrad (Stammer Kinetics) sind in der richtigen Richtung angedreht und der Brustkorb ist angehoben.

 

Beispiele im Galopp:

Kriterien für alle Galopptempi sind der klare Dreitakt und einen Moment der freien Schwebe. Auch hier ist wichtig zu beachten, dass die Losgelassenheit und die Anlehnung Aufschluss über die Qualität der Grundgangart geben. Ein Pferd das von Natur aus z. B. gut galoppiert, muss das nicht notwendigerweise auch unter dem Sattel tun. Das gute Gerittensein und damit der korrekte Bewegungsablauf entlarvt auch hier wieder den Schenkelgänger.

 Galopp im Entlastungssitz im Gelände.

    

Durch Biegung wird das Pferd geradegerichtet. Bild links zeigt das Pferd absolut gerade, jedoch mit leichter Verkantung im Genick. Bild rechts zeigt eine deutliche Längsbiegung im Galopp.

 Das Ergebnis ist ein bergauf gesprungener Galopp.

Auch hier im Seitenbild erkennbar ist das weite Durchspringen mit dem inneren Hinterbein, über den Rücken mit guter Selbsthaltung und gleichmäßiger Anlehnung.

Alle Fotos: www.slawik.com

 

Videos folgen.

 

 

 

 

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